Sechs Monate, die ein Leben verändern – Jonas' Auslandspraktikum bei Volunt2Thai in Thailand

Von Schulfrust zu neuen Perspektiven: Wie ein 17-Jähriger in einem kleinen Dorf in Nordostthailand nicht nur eine andere Kultur, sondern auch sich selbst entdeckte.

Als Jonas Ende September 2023 ins Flugzeug nach Thailand steigt, weiß er kaum etwas über das Land. Seine Vorstellungen beschränken sich auf das, was viele kennen: Elefanten, Muay Thai, buddhistische Mönche, tropische Hitze und exotisches Essen. Mehr nicht.

Die Idee, mehrere Monate bei Volunt2Thai in der Provinz Udon Thani zu verbringen, bedeutete vor allem eines: raus aus dem gewohnten Alltag.

Die Schule in Deutschland hatte ihn zuletzt eher frustriert. Ein halbes Jahr etwas völlig Neues erleben – das klang nach der richtigen Entscheidung.

Ankommen in einer anderen Welt

Nach einem langen Flug landet Jonas am Abend des 29. September in Thailand. Am Flughafen werden er von Raimund und Nicki abgeholt. Bereits die erste Autofahrt macht deutlich, dass hier vieles anders ist: Linksverkehr, tropische Nachtluft und Temperaturen, die selbst nach Sonnenuntergang kaum abkühlen.

"Alles war anders", beschreibt Jonas später. "Vor allem die Luft und die Hitze."

Die ersten Tage fühlen sich fremd an. Neues Essen, unbekannte Tiere, eine völlig andere Sprache und eine Kultur, die sich kaum mit Deutschland vergleichen lässt.

Doch lange bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken.

Lernen durch Mitmachen

Bei Volunt2Thai ist jeder Teil der Gemeinschaft. Statt eines festen Stundenplans gibt es Aufgaben, die gemeinsam erledigt werden.

Jonas hilft beim Tragen von Reissäcken, bewässert den Food Forest, backt Brot, repariert Dinge auf dem Campus oder räumt gemeinsam mit den anderen auf. Es ist ein Alltag, der praktisches Arbeiten mit Gemeinschaft verbindet.

Besonders gefallen ihm die Tiere auf dem Campus. Katzen werden schnell zu seinen ständigen Begleitern. An Schlangen, Geckos, Käfer und die unzähligen Mücken muss er sich dagegen erst gewöhnen.

Und dann gibt es noch das Moped.

Während in Deutschland ohne Führerschein kaum etwas möglich wäre, gehört das Rollerfahren auf dem Land in Thailand ganz selbstverständlich zum Alltag. Für Jonas wird jede Fahrt ein kleines Abenteuer.

Zwischen Klassenzimmer und Reisfeldern

Schon nach wenigen Tagen begleitet Jonas die Volunteers in die Dorfschulen.

Hunderte Kinder in Schuluniformen, ein Unterricht in Thai und trotzdem eine Atmosphäre voller Respekt beeindrucken ihn.

Selbst Lehrer möchte er zwar nicht werden, doch die Begegnungen mit den Kindern machen ihm Spaß. Er spielt mit ihnen, hilft gelegentlich im Englischunterricht, fotografiert und filmt den Schulalltag.

Mit jedem Besuch wächst sein Verständnis für das Leben in den ländlichen Regionen Thailands.

Freundschaft kennt keine Sprache

Eine der wichtigsten Begegnungen während seines Aufenthalts ist Nicki.

Aus anfänglichem Kennenlernen entwickelt sich schnell eine enge Freundschaft. Gemeinsam wird gekocht, Sport gemacht, gearbeitet und gelacht.

Nicki bringt Jonas traditionelle Sportarten wie Sepak Takraw näher – ein spektakulärer Ballsport, der enorme Beweglichkeit verlangt. Die blauen Flecken gehören fast dazu.

Auch erste Erfahrungen mit Muay Thai sammelt Jonas. Anfangs schaut er nur zu, später trainiert er selbst und verbessert Schritt für Schritt seine Kondition.

Mehr Familie als erwartet

Was Jonas besonders überrascht, ist das starke Familiengefühl.

Die Kinder von Raimund sind fast täglich auf dem Campus, Großeltern, Freunde und Nachbarn gehören selbstverständlich zum Alltag dazu.

"Ich konnte hier richtig am Familienleben teilnehmen", schreibt er.

Dieses Gefühl begleitet ihn während seines gesamten Aufenthalts.

Internationale Begegnungen

Neben den thailändischen Freunden lernt Jonas Volunteers aus Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz kennen.

Eigentlich wollte er sein Englisch verbessern.

Am Ende stellt er lachend fest:

"Ich glaube, ich lerne hier mehr Thai als Englisch."

Alltag statt Urlaub

Thailand bedeutet für Jonas nicht Strandurlaub.

Es bedeutet Reisfelder.

Gartenarbeit.

Bambusgerüste bauen.

Brot backen.

Wände streichen.

Kinder bespaßen.

Im Wasser spielen.

Sport treiben.

Oder einfach gemeinsam den Abend verbringen.

Besonders das Bemalen von Gebäuden gefällt ihm. Hier sieht man am Ende des Tages sofort, was man geschafft hat.

Weniger begeistert ist er von der Gartenarbeit.

Einen ganzen Tag verbringt er damit, Lastwagen mit Erde zu zählen.

"Ich wusste danach: Gärtner werde ich definitiv nicht."

Weihnachten einmal ganz anders

Während seine Familie in Deutschland Weihnachten feiert, erlebt Jonas sein erstes tropisches Weihnachtsfest.

Statt Schnee gibt es warme Temperaturen.

Statt Feuerwerk eine große Familienfeier.

Statt Weihnachtsmarkt eine traditionelle Schulprozession.

Natürlich vermisst er seine Freunde in Deutschland.

Doch gleichzeitig entdeckt er eine völlig andere Art zu feiern – ruhig, familiär und voller gegenseitigem Respekt.

Ein Elefant zum Anfassen

Zu den besonderen Erlebnissen gehört die Begegnung mit einem Elefanten in der Nähe des Campus.

Jonas kann das riesige Tier sogar berühren.

"Erstaunlich haarig und sandig", beschreibt er den Moment.

Auch Tempelbesuche, traditionelle Feste und das Kennenlernen des buddhistischen Alltags gehören zu seinen bleibenden Erinnerungen.

Veränderungen, die bleiben

Mit jedem Monat verändert sich Jonas.

Er wird sportlicher.

Selbstständiger.

Offener.

Er lernt zu kochen.

Hilft selbstverständlich mit.

Fühlt sich in der Gemeinschaft zuhause.

Die Unsicherheit der ersten Wochen verschwindet.

Aus Fremden werden Freunde.

Aus einem Projekt wird ein zweites Zuhause.

Abschied mit gemischten Gefühlen

Im Februar 2024 endet das Praktikum.

Die letzte Nacht verbringt Jonas allein in einem Hotel in Udon Thani.

Der Abschied fällt schwer.

Nicki ist für ihn inzwischen wie ein Bruder geworden.

Anita und Alexs wie jüngere Geschwister.

Und Raimund beschreibt er mit einem Satz, der zeigt, wie eng die Beziehung geworden ist:

"Er ist für mich wie ein Papa geworden."

Mehr als nur ein Auslandspraktikum

Als Jonas nach Deutschland zurückkehrt, nimmt er weit mehr mit als Fotos und Erinnerungen.

Er hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Mit Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammenzuleben.

Einfach zu leben.

Neue Perspektiven einzunehmen.

Thailand hat ihm gezeigt, dass Glück oft in den kleinen Dingen steckt: gemeinsam kochen, mit Kindern spielen, zusammen arbeiten oder einfach den Sonnenuntergang auf dem Campus genießen.

Sein Fazit fällt deshalb eindeutig aus:

"Thailand ist wirklich ganz anders als Deutschland. Es war eine wunderschöne Zeit. Ich komme bestimmt wieder."

Nicht jeder junge Mensch findet seinen Weg im Klassenzimmer.

Manche finden ihn auf einem kleinen Campus in einem Dorf im Nordosten Thailands.

 

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